"Im Mittelpunkt meines Engagements
stehen immer die Menschen. Um
unsere Heimat für sie lebenswert
zu erhalten, setze ich mich ein."

15. Mai 2013

Umgehungsstraße: Braubacher wollen in Mainz Druck machen

Das Kelterhaus des Hotels „Zum weißen Schwanen“ war bis auf den letzten Platz besetzt. Ein Zeichen dafür, dass den Braubachern das Thema „Umgehungsstraße“ auf den Nägeln brennt. Die CDU hatte zum „Stadtgespräch“ geladen und viele Anwohner und interessierte Gäste kamen, um mit dem Landtagsabgeordneten Matthias Lammert die Chancen einer Entlastungsstraße für die Wein- und Rosenstadt zu diskutieren. Mit dabei auch Bürgermeister Werner Groß, Stadtbürgermeister Joachim Müller und CDU-Ortsvorsitzender Markus Fischer.

Groß rekapitulierte die jahrzehntelange Diskussion über die Umgehung. „Ursprünglich war eine Untertunnelung von der Dachsenhäuserstraße zur B42 geplant. Vor zehn Jahren wurde dann auch die Möglichkeit einer aufgeständerten Straße von der Bundesstraße über die Bahn zur Überquerung des Kapellenbergs hinter der Martinskapelle geprüft.“ Eine Alternative, die wohl eher finanzierbar wäre.

Die Anwohner machten ihrem Ärger über die belastende Verkehrssituation Luft. Annähernd zehntausend Fahrzeuge passieren täglich das Nadelöhr Braubach mit dem Engpass am Obertor. Viele davon LKW. „Gerade in der Brunnenstraße ist es für Kinder manchmal richtig gefährlich über den schmalen Bürgersteig zu gehen, wenn die LKW bis auf Armlänge an ihnen vorbeidonnern.“, meint eine besorgte Anwohnerin.

Und Helmut Veit aus der Unteralleestraße weiß: „Wenn die Oberalleestraße durch den Berufsverkehr verstopft ist, nutzen viele Fahrer die parallel verlaufende Unteralleestraße als Überholspur und fädeln sich hinter dem Obertor wieder in den Verkehr ein. Und das, obwohl in der gesamten Unteralleestraße ein Tempolimit und rechts- vor links gilt.“, so Veit. Nicht ungefährlich für andere Autofahrer und Fußgänger, auch Schulkinder, die aus den Altstadtgässchen kommen.

Helmut Metz aus der Brunnenstraße hat diese und andere gefährliche Szenen im Bild festgehalten. Ein ganzes Album voller Fotos ist so zusammen gekommen und macht deutlich, wie groß die Belastung für die Anwohner zwischenzeitlich ist. Und geringer dürfte die Fahrzeugzahl wohl nicht mehr werden. Mit weiteren Umgehungsstraßen auf der Strecke Richtung Bäderstraße werden immer mehr Fahrzeuge von oder nach Wiesbaden den Weg durch Braubach suchen, denn das ist die kürzeste Strecke ins Rhein-Main-Gebiet. 

Landtagsabgeordneter Lammert und Bürgermeister aus Stadt und VG sagten Unterstützung zu


Auch bei Stadtbürgermeister Müller füllt die Diskussion schon Aktenordner. Wegen der geplanten Umgehung Miehlen-Marienfels war er schon mit einem Schreiben an das Infrastrukturministerium in Mainz herangetreten. In seinem Brief hatte er darauf hingewiesen, dass durch die Ortsumgehung Miehlen-Marienfels auch eine Umgehungsstraße für Braubach wichtiger denn je werde, um zum Beispiel die Schulwegsicherheit in der Stadt weiter zu gewährleisten. Doch die Antwort, die Müller aus Mainz erhielt, war ernüchternd. Sogar der Versuch, ein durchgehendes Tempolimit von 30 km/h durchzusetzen, stößt auf die Ablehnung der Landesbehörden.

Abgeordneter Matthias Lammert macht im Landtag immer wieder auf die schwierige Verkehrssituation in der Braubacher Innenstadt aufmerksam, zuletzt mit einer offiziellen Anfrage bei der Landesregierung. Für großes Unverständnis sorgte bei den Braubachern die Antwort des Infrastrukturministeriums. Eine verkehrswirtschaftliche Bewertung aus dem Jahr 2003 habe zu dem Ergebnis geführt, dass die geplante Umgehung mit dem Bau eines Tunnels nur ein sehr ungünstiges Nutzen-Kostenverhältnis aufweise. Für Mainz lägen die Planungen daher wohl seitdem ad acta, meinte Lammert. Er appellierte: „Die Menschen in Braubach müssen jetzt selbst aktiv werden und sich mit Aktionen und Initiativen vor Ort für eine Umgehung stark machen.“ Und er versicherte: „Dabei haben Sie meine volle Unterstützung.“

Bedenken, dass es durch die Umgehungsstraße zu Einbußen für den Tourismus oder die örtlichen Gastronomiebetriebe und Geschäfte kommt, hatten die Teilnehmer am Stadtgespräch nicht. Der frühere Burgvogt der Marksburg und langjährige Geschäftsführer der Burgenvereinigung Busso von der Dollen betonte: „Wer nach Braubach oder zur Marksburg möchte, wird auch weiterhin seinen Weg in die Stadt finden.“

Am Ende des Stadtgesprächs war allen Teilnehmern klar, dass der Weg zu einer Umgehungsstraße für Braubach lang und mühsam werden wird. Kurzfristige Maßnahmen zur Entschärfung der Verkehrssituation sollen geprüft werden. Die Anwohner waren sich aber einig, dass sie geschlossen bei den Verantwortlichen in Mainz Druck machen wollen. „Es wird ein Bohren dicker Bretter“, sagte CDU Ortsvorsitzender Fischer abschließend „aber ich bin sicher, dass sich der Einsatz am Ende lohnt, damit die Braubacher Innenstadt lebenswert bleibt.